Konfirmation!!?

Abgesagt. Verschoben. Fällt aus. Diese Wörter konnten wir alle in den letzten Wochen häufig lesen und neben Verständnis für die besondere Situation macht sich aber auch Enttäuschung breit. An Pfingstsonntag hätten wir gern mit allen Konfirmandinnen und Konfirmanden sowie deren Freunde und Familie gefeiert, hätten alle gern in schönen Kleidern und feinen Anzügen gesehen, wie sie aufgeregt in der ersten Bankreihe sitzen und gespannt den Festgottesdienst ihrer Konfirmation verfolgen. Wir hätten diesen besonderen Gottesdienst gern mit euch allen gefeiert, aber auch hier: Konfirmation verschoben. 

Das ließ uns Pastoren keine Ruhe, ließ uns zurückblicken, auf unsere eigene Konfirmation, den Segen, die große Feier und alles, was dazu gehörte. Und wir haben noch einmal einen genaueren Blick auf unsere jeweiligen Konfirmationssprüche von damals geworfen. Was bedeutete dieser Vers damals, was heute? Wie hat er mich in meinem Leben begleitet? Und wir alle drei haben festgestellt, Glaube, Liebe und Hoffnung sind nicht abgesagt – weder damals noch heute! Aber lest selbst…

Mein Konfirmationsspruch & ich:

Pastorin Gabriele Voigt
"Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich." (Sprüche 8,17)

51 Jahre ist es her, seit mir dieser Satz aus dem 8. Kapitel der Sprüche von meinem Pastor ausgesucht wurde. Letztes Jahr habe ich in meiner Heimatgemeinde Augsburg meine Goldene Konfirmation gefeiert und an diese Jahre zurückgedacht.

Mein Konfirmationspastor kannte mich wirklich gut. Ich war damals tatsächlich auf der Suche, war − heute würde man sagen als Teamerin − in der Gemeinde unterwegs, besonders im Kindergottesdienst, wollte mich ausprobieren und mehr von der Gemeinde erfahren. Durch mein Elternhaus kannte ich die Anthroposophie und die Christengemeinschaft. Die hatten schon damals eine Priesterin, die mich sehr faszinierte. Sie konnte gut mit Kindern umgehen und genauso gut die Liturgie gestalten.

Durch die Konfirmation lernte ich mehr über die lutherische Kirche kennen. Ich begann die Bibel zu erforschen und entdeckte, dass ihr keine Gefühle fremd waren: Ungeduld, Zuversicht, Traurigkeit, Vorfreude. Ja, ich war in Teenagertagen auf Gottsuche und bin es noch heute. Kein Wunder, dass ich Pastorin wurde.

Pastorin Anne Karakulin
„Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jesaja 40,31)

19 Jahre ist es her, dass ich mir diesen Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja als Konfirmationsspruch ausgesucht habe. Zur Konfirmation selber mussten wir Konfirmanden dann vor allen Familien und Gästen −die Kirche war sehr gut gefüllt − erklären, warum wir diesen Spruch ausgewählt haben. Gut, dass ich meinen Spickzettel von damals zusammen mit der Urkunde aufbewahrt habe. Beim erneuten Lesen ist mir aufgefallen, wie ehrlich meine Worte damals mit 14 Jahren waren und wie sehr ich darauf gehofft habe, dass sich all das erfüllt in meinem Leben, in meinem Glauben, auf meinem Weg mit Gott. Meine Begründung lautete: „Gott ist für mich das Symbol der Liebe und des Verständnisses. Er liebt und versteht mich in allen Lebenslagen. Wenn ich ihm vertraue, auf seine Liebe und seine Worte, dann erfahre ich neue Kraft. Diese Kraft, diese Liebe und diese Zuversicht brauche ich für mein Leben, damit ich nicht verzweifle und nicht müde werde und nicht die Hoffnung verliere, dass sich alles zum Guten wendet. Auf Gott harren, das will ich – aus diesem Grund habe ich mich für diesen Konfirmationsspruch entschieden.“

Pastor René Goele
„Selig sind die Friedfertigen, denn Sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9)

 

Mein Konfirmationsspruch ist einer von acht Seligpreisungen im Neuen Testament, die Jesus seinen Freunden zu Beginn der Bergpredigt mit auf den Weg gibt, um ein glückliches Leben zu führen. 

Bei den Seligpreisungen handelt es sich nicht um Gebote oder Vorschriften, sondern um die Beschreibung von positiven Verhaltensweisen im Leben. Diese haben mich schon vor vielen Jahren angesprochen, als ich konfirmiert wurde.   

Das Thema Frieden berührt mich, seit ich denken kann. Frieden in einer kriegerischen Welt zu bewahren, ist von großer Bedeutung für die gesamte Menschheit. Frieden in mir selbst zu finden und auch Dinge anzunehmen, die im Leben geschehen, eine Lebensaufgabe. Und meinen Mitmenschen friedlich zu begegnen und Frieden zu stiften, wo dies möglich ist, eine Herzensangelegenheit.

Frieden ermöglicht es, miteinander in Kontakt zu treten und persönliche Beziehungen aufzubauen. Meine Beziehung zu Gott ist friedlich. Ich bin ein Kind Gottes, der mich so annimmt, wie ich bin. Ich fühle mich aufgehoben und geborgen. Ich fühle mich selig. Das gibt mir Sicherheit und Zuversicht. An jedem Tag in meinem Leben. 

 Gestern, heute und auch morgen…